Verein für Heimatgeschichte Bürstadt e.v.
 

Der Bomberabsturz nahe dem Boxheimerhof


von Klaus Grinda


Wenn man heute vom Bürstädter Neubaugebiet Sonneneck zum Wasserwerk spaziert, kann man kaum ahnen, dass am 17. August 1943 – also vor über 80 Jahren - ein amerikanischer B-17 Bomber (eine sogenannte „Flying Fortress - Fliegende Festung“) auf dem Hinflug nach Regensburg abgeschossen wurde und in den Wald nahe dem Boxheimerhof abstürzte. 


Bei den Vorträgen von Klaus Grinda vom Verein für Heimatgeschichte Bürstadt e.V. an der Spargelwanderung wurde über den Bomberabsturz bereits berichtet.


Was wäre passiert, wenn der Bomber etwa 400 m westlich genau auf die Höfe des Boxheimerhofs gestürzt wäre. Der B17 Bomber hatte eine beträchtliche Spannweite von 32 Metern, 22,8 Metern Länge und einer Höhe von knapp 6 Metern sowie 4 luftgekühlte Propellermotoren, war also recht groß. Die Bewaffnung bestand aus 13 12,7mm Browning Maschinengewehren. Es konnten bei Nachforschungen im Wald sogar noch Wrackteile geborgen werden. Patronenhülsen, Verstrebungen der Tragfläche und weitere Bauteile kamen zum Vorschein.


Am 01.Juni 2026 veranstaltet der Verein für Heimatgeschichte zusammen mit Jörg Oberkinkhaus, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Hessenarchäologie, einen Vortrag zu eben diesem Absturz. Jörg Oberkinkhaus wird in seinem Vortrag über den B-17 Bomber über den Auftrag, die Mannschaft, den Absturz und die Hintergründe des alliierten Bombenkriegs berichten. Veranstaltungsort wird das Kulturzentrum KamÜ in Bürstadt sein, Beginn ist um 18.00 Uhr.


Was passierte vor fast 83 Jahren nahe dem Boxheimerhof?


Zum ersten Mal sollten am 17. August 1943 schwere amerikanische Bomberverbände zwei Ziele tief im feindlichen Hinterland gleichzeitig bombardieren. Das erste Ziel war Regensburg, wo unter anderem das Jagdflugzeug Messerschmidt Me 109 produziert wurde. Der zweite Verband sollte Schweinfurt angreifen, welches das Zentrum der deutschen Kugellagerproduktion war.

Problem der Operation Double Strike war folgendes: Beide Ziele lagen in Bayern, was von England aus einen sehr langen An- bzw. Rückflug bedeutete. Die Reichweite der damaligen amerikanischen Jagdflugzeuge war noch zu begrenzt, um die Bomber auf dem gesamten Weg zu schützen.


Für den Angriff auf Regensburg waren drei Gefechtsverbände mit insgesamt 146 Bomber vom Typ Boeing B-17 vorgesehen, für Schweinfurt weitere 230 Flugzeuge. Weiterhin waren an der Operation zahlreiche Jagdflugzeuge beteiligt, die den B-17 zumindest bis zur Reichsgrenze Begleitschutz geben sollten.


Die für das Angriffsziel Regensburg bestimmten 146 Bomber hoben gegen 7 Uhr Ortszeit von ihren Basen in England ab. Bis zum Erreichen der deutschen Westgrenze verlief der Einsatz auch ohne große Probleme. Nachdem jedoch die Begleitschutzjäger wegen ihrer begrenzten Reichweite abdrehen mussten, waren die Bomber beinahe schutzlos den Angriffen der deutschen Luftwaffe ausgesetzt.


So wurde auch das Flugzeug mit dem Namen „WAAC Hunter“ von deutschen Jägern abgeschossen und stürzte brennend in den Wald nahe dem Boxheimerhof ab. Von den neun Mann Besatzung konnten acht mit dem Fallschirm abspringen und gerieten anschließend in Gefangenschaft. Der amerikanische Heckschütze starb. Die Trümmer der abgestürzten Maschine wurden zeitnah geborgen.


2017 nahm der Sohn des Piloten mit Jörg Oberkinkhaus Kontakt auf. Somit liegen auch Fotos und Informationen zu der abgestürzten Maschine vor.


Insgesamt gingen bei dem Angriff auf Regensburg 24 B-17-Bomber mit etwa 200 Mann Besatzung verloren. Etwa fünfzig Maschinen waren mehr oder weniger schwer beschädigt. Zwei Bomber landeten in der Schweiz.


Bei dem Unternehmen Double Strike wurden insgesamt 60 Fliegende Festungen sowie einige Jagdflugzeuge von den Deutschen abgeschossen, etwa 600 Amerikaner kamen dabei ums Leben. Die Operation war somit eine der verlustreichsten für die US Army Air Forces.


Weitere Informationen kann man am 01. Juni 2026 um 18.00 Uhr im Kulturzentrum KamÜ erhalten.


Neben dem Bomberabsturz vom 17. August 1943 nahe dem Boxheimerhof liegen des Weiteren auch Unterlagen zu einem Absturz einer deutschen Messerschmidt Me 109 und einem englischen Stirling Bomber nahe Bobstadt vor.


Im Anschluss an dem vom Verein für Heimatgeschichte Bürstadt e.V. initiierten Vortrag besteht noch ausreichend Zeit für Fragen und Gespräche mit dem Experten.