Ortsgeschichte Bürstadt
Von Klaus Grinda
Der Name Bürstadt bzw. Bisistat leitet sich von „Bisos Stätte“ ab. Biso war ein fränkischer Fürst, der in der Gegend Besitzungen hatte.
Historisch dokumentierte Namensformen des Ortes sind (in Klammern das Jahr der Erwähnung):
Birstather marca (767) | Birrstadt (1275) | Birgstat (1475) |
Bisistat (770, 826) | Berstad (1318) | Byrstat (1488) |
Bisestat (795) | Birstad (1341) | Bürstatt (1759) |
Birstat (ca. 900, um 1200) | Birstat (1407) | |
Bisenstadt (1113) | Berstadt (1468) |
Bürstadt liegt in einer der Kultur- und geschichtsträchtig ältesten Landschaften Deutschlands. Bedingt durch die fruchtbaren Böden und den Wild- und Artenreichtum der Oberrheinischen Tiefebene wurden schon sehr früh die Hochufer des Rheins besiedelt.
Wir sehen, dass die zahlreichen Rheinschlingen in unserer Gemarkung, sogenannte Lachen, die zur Römerzeit vermutlich noch Wasser führten, die Siedlungsstellen Bürstadt beeinflussten.
Das Sonneneck / Boxheimerhof war vermutlich die älteste Siedlungsstelle Bürstadts. Wir wissen von dem Ur-Bürstädter (ein 7.100 Jahre altes Skelett) und weiteren Knochen eines Kindes sowie Alltagsgegenstände wie Nadeln, Beile oder Pfeilspitzen, die der brandkeramischen Kultur zugeordnet werden konnten und im Bereich Sonneck IV im Jahre 2015 gefunden wurden.
Dort stießen Archäologen auch auf eine Villa aus der Römerzeit. Auch Funde aus der Bronzezeit sind verzeichnet.
2500 bis 1500 v. Chr.
Der Sackstein, bis 1721 noch Kluck- oder Hinkelstein genannter Menhir, stammt wahrscheinlich aus der ausgehenden Jungsteinzeit.
1200 bis 800 v. Chr.
Die Brandgräber der Urnenfelderzeit bei der Gärtnersiedlung (Hof Haller) oder dem Hof Hesse wurden 1963 entdeckt. Die Menschen der Urnenfelderkultur (Bronzezeit) gelten als Frühkelten.
800 bis 500 v. Chr.
Bei Bau der Umgehungsstraße wurden entlang der B 47 ca. 30 Grabhügel in den Wäldern von Riedrode und Bürstadt (östlich der Grillhütte) ergaben einige Funde, die der Hallstattzeit (Eisenzeit) zuzuordnen sind. -> keltische Besiedlung?
500 v. Chr.
Die sogenannte "La Tenezeit". Handgeformter Becher mit Fingermuster. Ältester Fund aus dem heutigen Ortskern von Bürstadts.
Um Christi Geburt:
Römer gründen im Worms ein Kastell zur Verteidigung des linken Rheinufers. Der Rhein floss damals in zahlreichen Rheinschlingen durch unser Gebiet. Viele dieser Schlingen haben sich als Lachen oder Bruch bis in unsere Zeit erhalten.
69-79
Das rechtsrheinische Gebiet zwischen Neckar und Main wird römisch. Vermutlich entstanden der spätere Königshof zu Bürstadt und der Boxheimerhof aus einem römischen Gutshof, wie es beim Kloster Altenmünster zu Lorsch der Fall war. Am Rand des Bürstädter Waldes gibt es Reste einer ausgedehnten römischen Siedlung. Für den Reisenden lag Bürstadt mit einem einstigen karolingischen Königshof auf halbem Weg zwischen der auf eine keltische Gründung zurückgehenden Nibelungenstadt Worms und der ehemaligen Reichsabtei Lorsch. Zwischen Worms, Lorsch und dem Odenwaldlimes gab es eine bedeutende römische Militärstraße.
150
Ein größerer römischer Gutshof befindet sich auf dem Gelände Sonneneck / Boxheimerhof
400-450
Die Burgunder beherrschen das Gebiet und halten Worms als ihre Hauptstadt. Es kann angenommen werden, dass die Jagdszene in der Siegfried getötet wurde, in dem späteren Reichsbann Forehahi (königl. Forst- und Jagdgebiet) zwischen Rhein und Bergstraße stattfand (Nibelungensage).
496
Clodewig aus dem Geschlecht der Merowinger schlug in einer Schlacht bei Lolbiacum an der Grenze der Stammesgebiete der Alemannen. Seine ärgsten Feinde waren geschlagen und er drängte diesen Volksstamm weiter nach Süden zurück. Auf diese Weise wurde der alemannische Boden Bürstadts fränkisches Land.
764
Gründung des Klosters Lorsch - Im 9.-12. Jahrhundert gehörte es zu den größten und mächtigsten Benediktiner Abteien Deutschlands. Gegründet durch den Graugrafen Cancor und seiner Mutter Williswinda in seinem Herrensitz. Es war zur Zeit Pippins III, des Kurzen. Der Herrensitz war ein römisches Landhaus gewesen, nur durch eine kleine Kirche erweitert.
767
1. November - Thurincbert, der Bruder des Gaugrafen Cancor, schenkt dem bereits 764 auf dem Landgut seines Bruders gegründeten Lorscher Klosters den Platz zum Bau eines neuen, größeren Klosters und ein Mansus (eine Wiese mir Ackerland) in der "Birstather marca". Erste urkundliche Erwähnung von Bürstadt. Darüber hinaus sind zahlreiche weitere Schenkungen überliefert.
Am 20. Januar 773 schenkte Karl der Große die Stadt Heppenheim nebst dem zugehörigen Bezirk, der ausgedehnten Mark Heppenheim, dem Reichskloster Lorsch.
776
Die gottgeweihte Eufemia, Tochter des Grafen Cancor, schenkte ihre Güter in Villa et marca Babestat dem Kloster Lorsch am 1. Oktober 776. Auch ihr Bruder Heimerich vermachte seinen Besitz in Bobstadt der Abtei Lorsch (782). Erste urkundliche Erwähnung von Bobstadt.
789
Erste urkundliche Erwähnung vom Boxheimerhof. In einer Urkunde trägt er den Namen "Villa wizzilin" oder "Wizzelai".
790
Im Winter 790/91 ist die Wormser Königspfalz abgebrannt. In ihr hatte Kaiser Karl der Große dreimal überwintert und auch zahlreiche Reichstage, Synoden und Kirchenfeste begangen. Auch zwei seiner Hochzeiten hat er hier gefeiert.
800
Am Weihnachtstag erhält Karl der Große die weströmische Kaiserkrone.
861
8. Juli - Ludwig der Deutsche, ein Sohn Kaiser Ludwigs des Frommen und Enkel Karls des Großen, lässt an diesem Tag in Bürstadt eine Urkunde ausfertigen. Schenkung an den Grafen Christian. Der König befand sich damals offenbar auf dem Wege von Regensburg nach Frankfurt.
870
1. bis 14. Mai - König Ludwig der Deutsche weilt in Bürstadt. Die Fuldaer Annalen, die offiziellen Charakter haben, berichten: Rex autem Hludowicus dies letariarum et pentecostes in villa Bisetat prope Wormatiam celebravit. (König Ludwig aber feierte die Bittage und Pfingsten in der Villa Bürstadt bei Worms). V i l l a r e g a l i s = Königspfalz = königliche Meierei.
873
Ende April (Pfingsten) - Ludwig der Deutsche hält in Bürstadt eine Reichsversammlung (placitum) am Bürstädter K ö n i g s h o f ab. Es werden Verhandlungen mit einer Gesandtschaft des dänischen Königs Siegfried geführt und ein Bote des großmährischen Fürsten Svatopluk empfangen. Außerdem fand die Aussöhnung zwischen Ludwig dem Deutschen und seinen Söhnen statt. Weitere Erwähnungen des Bürstädter Königshofes anlässlich hoher Besuche blieben ebenfalls erhalten.
876
Tod Ludwig Des Deutschen und Bestattung in der Reichsabtei Lorsch.
877
22. bis 26. Mai - König Ludwig der Jüngere weilt in Bürstadt.
882
Tod Ludwig des Jüngeren und Bestattung in der Reichsabtei Lorsch.
882
22. Mai - Kaiser Karl III., der jüngste Bruder Ludwigs des Jüngeren, weilt in Bürstadt.
897
Die Reste des königlichen Besitzes in Worms und die alte Königspfalz mit der rechtsrheinischen Maraue gehen in den Besitz der Wormser Bischöfe.
954
Die Hunnen (Ungarn) kamen bis an den Rhein und überquerten ihn bei Worms (Etzel - Nibelungensage). Bürstadt im Vorfeld von Worms hatte sicherlich sehr zu leiden. Dieser Hunnenfeldzug könnte das Ende der Bürstädter Königspfalz gewesen sein.
983
Treffen verschiedener Herzöge bei Bürstadt und eine Reichsversammlung.
984
Mitte Mai und am 20. Oktober weilt Kaiser Otto III. in Bürstadt.
994
Im Mai weilt Kaiser Otto III. zum letzten Mal in Bürstadt.
1122
Der Blütezeit des Klosters Lorsch, in dessen Gebiet Bürstadt lag, folgte im 11. und 12. Jahrhundert sein Niedergang. Während des Investiturstreits von 1076 (Reichstag in Worms) bis 1122 mussten viele Besitzungen an den Adel abgegeben werden. Das Ergebnis des Wormser Konkordats wurden auf den „Bürstädter Laubwiesen“ am 23. September 1122 unter Beisein Kaiser Heinrich V. verkündet. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war der Flurname Laubwiese in der Flur 20/21 der alten Bürstädter Gemarkung erhalten.
1147
Im Juni/Juli lagert ein unter König Ludwig VII. von Frankreich stehendes französisches Kreuzfahrerheer in Erwartung weiteren Zuzugs auf den Laubwiesen bei Bürstadt.
1232
Bürstadt fällt zusammen mit der Reichsabtei Lorsch an das Mainzer Erzstift. Im späten 12. Jahrhundert wurde mit der Aufzeichnung der alten Besitzurkunden versucht, die Verwaltung des Klosters Lorsch zu reorganisieren (Lorscher Codex). Dennoch unterstellte 1232 Kaiser Friedrich II. die Reichsabtei Lorsch dem Erzbistum Mainz und dessen Bischof Siegfried III. von Eppstein zur Reform. Die Benediktiner widersetzten sich der angeordneten Reform und mussten die Abtei verlassen.
1248
Von diesem Zeitpunkt an wurde das Kloster als Propstei weitergeführt. Aufgrund der besonderen Freiheiten des Reichsklosters waren die Klostervögte Verwalter und Gerichtsherren innerhalb des Klosterbesitzes. Dieses Amt kam um 1165 in den Besitz der Pfalzgrafen. Aus dieser Konstellation entwickelten sich schwere Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbistum Mainz und der Kurpfalz als Inhaber der Vogtei. Die Streitigkeiten konnten erst Anfang des 14. Jahrhunderts durch einen Vertrag beigelegt werden, in dem die Besitzungen des Klosters zwischen Kurmainz und Kurpfalz aufgeteilt und die Vogteirechte der Pfalzgrafen bestätigt wurden.
1267
Erstmals wurde ein Burggraf auf der Starkenburg (über Heppenheim) genannt, der auch das Amt Starkenburg, zu dem Bürstadt zählte, verwaltete.
1275
Bockisheim wird genannt Boxheimerhof. Im Jahre 1275 trägt der Hof bereits den Namen "Boxheim". Der Boxheimerhof war ein ehemaliges Klostergut der Reichsabtei Lorsch.
1427
Bobstadt wird Lehen der Herren von Wattenheim. Peter von Wattenheim erhält 82 Morgen Güter zu Bobstadt und das Gericht dort halb vom Bischof von Worms als Burglehen zum Stein.
1440
Nach dem Tod Peter von Wattenheims fallen die Güter wieder an das Stift Worms zurück.
1443
Bischof Johann von Worms gibt Dorf und Gericht Bobstadt an Konrad von Frankenstein, der der erste Lehnsherrnmann aus dem Frankensteiner Geschlecht im Amt zum Stein war. Diese Frankensteiner Zeit dauerte bis 1780.
1461
Bürstadt wird kurpfälzisch. Im Verlauf der für Kurmainz verhängnisvollen Mainzer Stiftsfehde wurde das Amt Starkenburg an Kurpfalz wieder einlöslich verpfändet und blieb anschließend für 160 Jahre pfälzisch. Pfalzgraf Friedrich ließ sich für seine Unterstützung von Erzbischof Diether – im durch die Kurfürsten am 19. November 1461 geschlossenen „Weinheimer Bund“ – das „Amt Starkenburg“ verpfänden, wobei Kurmainz das Recht erhielt, das Pfand für 100.000 Pfund wieder einzulösen.
1495
Am 10. September wurden in Bürstadt 2 Kinder geboren, die mit den Köpfen zusammengewachsen waren. Es waren zwei Mädchen mit Namen Anna und Chatarina. Diese Mädchen erregten großes Aufsehen und wurden als Warnung des Himmels betrachtet.
1511
gehörte Bürstadt zum Bensheimer (auch Bergsträßer) Landkapitel.
1521
Reichstag zu Worms (Luther) - Die Fürsten lagern auf den Wiesen Bürstadts.
1529
Hans von Frankenstein verleiht dem Dorf Bobstadt ein Gerichtssiegel.
1542
Aus diesem Jahr befindet sich im Pfarrarchiv von St. Michael ein auf Pergament geschriebenes Hypothekenverzeichnis, das ein Beweis für das Bestehen einer selbstständigen Pfarrei zu Bürstadt ist. Die Familie Boxheimer wird Erbbeständer des heutigen Boxheimerhofs („Heim des Bocco“).
1550-1570
Um diese Zeit wurde wohl Alt-St.-Michael (gotisch) gebaut. Dieses Kirchlein wurde beim Bau der Barock-Kirche St. Michael im Jahre 1732 abgerissen.
1555
In den Anfängen der Reformation sympathisierten die pfälzischen Herrscher offen mit dem lutherischen Bekenntnis, aber erst unter Ottheinrich, Kurfürst von 1556 bis 1559, erfolgte der offizielle Übergang zur lutherischen Lehre. Danach wechselten seine Nachfolger und gezwungenermaßen auch die Bevölkerung mehrfach zwischen der lutherischen und der reformierten Konfession.
Als Folge der Reformation hob die Kurpfalz 1564 das Kloster Lorsch auf. Die bestehenden Rechte wie Zehnten, Grundzinsen, Gülten und Gefälle des Klosters wurden fortan durch die Oberschaffnerei Lorsch wahrgenommen und verwaltet.
1588
Ludwig von Frankenstein erlässt eine neue Dorfgerichtsordnung.
1608-1610
Der Unterbau des "Alten Rathauses", Ecke Main/Nibelungenstraße, stammt aus diesen Jahren.
1618-1648
Der Dreißigjährige Krieg. Alle Häuser in Bürstadt sind niedergebrannt und das Dorf ist fast 10 Jahre ohne Bewohner. 1618 hatte Bürstadt ca. 700 Bewohner. Im Laufe des Krieges eroberten spanische Truppen der Katholischen Liga die Region. Die durch die Pfalzgrafen eingeführte Reformation wurde weitgehend rückgängig gemacht und die Bevölkerung musste zur katholischen Kirche zurückkehren. Zwar zogen sich die spanischen Truppen nach zehn Jahren vor den anrückenden Schweden zurück, aber nach der Niederlage der Evangelischen in Nördlingen 1634 verließen auch die Schweden die Bergstraße.
1623
Bürstadt kommt wieder zum Erzbistum Mainz. Der katholische Glauben wird wieder eingeführt.
1631
Einfall der Schweden. Bürstadt wird wieder evangelisch.
1635
Das blutigste Kapitel des Dreißigjährigen Krieges beginnt mit dem Schwedisch-Französischen Krieg. Aus der Region berichteten die Chronisten aus jener Zeit: „Pest und Hunger wüten im Land und dezimieren die Bevölkerung, sodass die Dörfer öfters völlig leer stehen“.
1648
Mit dem Westfälischen Frieden wurde die Einlösung der Pfälzer Pfandschaft endgültig festgeschrieben. Es existieren nur noch 154 Einwohner. Die Kirche ist verfallen und muss renoviert werden.
1684
Wiederaufbau des historischen Rathauses.
1717
Beginn der Bobstädter Gemeinderechnung.
1726 bis 1728
Der Oberbau des "Alten Rathauses" an der Ecke Main-/Nibelungenstraße wird in seiner jetzigen Form erstellt. Prächtige historische Stuckdecke mit dem Familienwappen Lothar Franz von Schönborn (1625-1729).
1732
Abriss der alten gotischen Kirche bis auf den Turm. Baubeginn an der Barockkirche St. Michael.
1733
In diesem Jahr wurde das Schulhaus neben der Kirche St. Michael gebaut. Als Erbauer gilt Caspar Jonas. Dieses Haus wurde als Bauernhaus gebaut und diente später als Lehrerwohnung.
1753
Am 16. September Weihe der Barockkirche St. Michael unter Pfarrer Joseph Thomas Loskandt.
1756
In diesem Jahr wurde der Turm von St. Michael auf dem alten gotischen aufgestockt.
1760
Um diese Zeit wurde das alte Pfarrhaus von St. Michael, das jetzt noch steht, erbaut.
1769
Der Bildstock von CF Wiedemann wird errichtet.
1780
Bobstadt gehört jetzt wieder zum Wormsischen Amt Lampertheim (früher Amt Stein).
1782
Kurmainz führt eine Verwaltungsreform im Bereich des Amtes Starkenburg durch, mit der in Lorsch eine Amtsvogtei eingerichtet wurde. Das Amt wurde in Oberamt umbenannt und bestand aus den Amtsvogteien Lorsch, Fürth, Heppenheim und Bensheim. Zur Amtsvogtei Lorsch gehörten neben Bürstadt auch Lorsch, Biblis, Klein Hausen und Viernheim. Das Oberamt Starkenburg war dem Unteren Erzstift des Kurfürstentum Mainz unterstellt.
1794
Kreuz an Ecke Kaiser Wilhelm / Ernst Ludwigstraße.
1802
Bürstadt gehört ab dem 25. Februar zum Fürstl. Hess. Amt Lampertheim. Durch Auflösung des Bistums Worms und Besetzung der hessischen Truppen am 10.9.1802.
1803
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss vom Februar 1803 wurde Kurmainz aufgelöst, und das Oberamt Starkenburg und mit ihm Bürstadt kamen zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Das Amt Lorsch wurde als hessische Amtsvogtei weitergeführt, das Oberamt aber 1805 aufgelöst. Die übergeordnete Verwaltungsbehörde war der Regierungsbezirk Darmstadt, der ab 1803 auch als Fürstentum Starkenburg bezeichnet wurde.
1806
Am 14. August 1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gegen Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich und den Beitritt zum Rheinbund von Napoleon zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt erhoben, anderenfalls drohte Frankreich mit Invasion. Der deutsche Kaiser Franz II. legt die Kaiserkrone nieder. Bei einer Gesamteinwohnerzahl von 1357 sind 27 Mitbürger jüdischen Glaubens. Bobstadt hatte 240 gezählte Einwohner bei 44 Familien.
1808
Mitte August wurde der neue Friedhof an der Friedhofstraße (Kanalstraße – Mainstraße – Jahnstraße) eingeweiht. Der alte Kirchhof wird zum Garten umgewandelt.
1812
Russlandfeldzug Napoleons. Leibgardist Heinrich Schremser aus Bürstadt war mit Hessens Leibgarde und seinem Heerführer Prinz Emil von Hessen-Darmstadt dabei. Er hatte in Russland 1812 dem Prinzen das Leben gerettet und danach wurde er hoch dekoriert und hatte Zuwendungen erfahren (z.B. Ehrenkreuz der Ehrenlegion, Großherzoglicher Ludwigsorden 2. Klasse). Schremser wurde zum Oberschultheiß von Bürstadt bestellt. Das Haus von Schremser wurde in der Neuzeit abgerissen, es stand in der Mainstraße14.
1812
Konrad Dahl berichtete in seiner Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch, oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues über das Amt Lorsch und den Marktflecken Bürstadt:
»Das Amt Lorsch enthält 5 Ortschaften, nämlich: Lorsch, Biblis, Bürrstadt, Kleinhausen und Virnheim und gränzt mit denselben an die Ämter Heppenheim, Bensheim, Gernsheim, Lampertheim und Weinheim. Im ganzen Amte Lorsch finden sich 1071 Wohngebäude und 7083 Seelen. Unter letzteren sind 6969 Katholicken, 10 Lutheraner, 8 Reformirte, und 96 Juden. Sämtlliche Unterthanen dieses Landes sind leibeigen. An Grund und Boden enthält das Amt 14,269 Morgen und 3 Vrtl Äcker, 3462 M. 1 Vrtl. Wiesen und Waiden, und 15015 M. 2 Vrtl. Waldung. Das ganze Amt Lorsch gehört noch ist, so wie vor Alters, zur Cent Heppenheim; es zeigt uns die Beilage …, was die Ortschaften dieses Amtes bei peinlichen Gerichtsfällen zu thun und zu leisten haben. Vor dem 17. Jahrhunderte wohnte der Keller oder Einnehmer der klösterlichen und nachher landesherrlichen Gefälle immer in Lorsch. Derselbe kam aber nachdem das Erzstift Mainz wieder in den Besitz der Bergstraße und des Klosters Lorsch gekommen, und letzteres endlich noch zerstört worden war nach Bensheim, woselbst ine herrschaftlich Amtstellerei errichtet, zugleich aber auch damit die Oberschaffner von Lorsch verbunden wurde. Diese Amtskellerei hat auch zugleich die Justizverwaltung bis zum Jahr 1782, wo nicht allein in Bensheim, sondern auch in Lorsch ein eigenes Justizamt errichtet wurde. Nach aufgehobenem Oberamte Starkenburg (1804) wurde solches selbstständig.
…
Birrstadt oder Bürrstadt, Birstat, Bisistat in alten Urkunden genennt, ein beträchtlicher Flecken in dem sogenannten Ried, beinahe zwei Stunden von Lorsch, 3 Stunden von Heppenheim und anderthalb Stund von Worms am entgegengesetzten Ende des Lorscher Waldes gelegen, hat zu Nachbarn die Orte Hofheim und Bobstat und den Boxheimer Hof und ist eine der ältesten Besitzungen des Klosters Lorsch. Denn schon im Jahr 768 schenkt Thurinebert der Bruder des Grafen Cancor der das Kloster Lorsch stiftete, nicht allein einen umzäunten Platz (Mansum proprisimus) zum neuen Kloster-bau in Lauresharm, sondern schenkte auch diesem Kloster in Stück Feld in der Birstadter Mark (in Birstather marca) … Noch mehrere andere Schenkungen die hinzu kamen machten daß das Kloster Lorsch gar bald den völligen Besitz von Bürstat und seiner weitläufigen Mark erhielt. Die Nähe des Klosters Lorsch bei Bürrstadt machte auch letzteren Ort schon frühzeitig durch mancherlei Reichs-handlungen bekannt.
…
Was die Pfarrei zu Birrstadt betrifft, so war solche dem Kloster Lorsch eigen und findet sich im Lorscher Schenkungebuch (Nro. 3824). Ein Priester zu Birrstadt benennt, der wahrscheinlich die Seelsorge daselbst verwaltete. Von dem Kloster Lorsch kam das Pfarrecht an den Erzhischoffen zu Mainz und von diesem an den Großherzog von Hessen. Die Pfarrkirche ist noch vor 1739 neu erbau-et im Jahr 1753 aber erst eingeweiht worden. Sie ist geräumig und schön. Das Pfarrhaus ist eben-falls neu, ansehnlich und dermalen mit einem großen Garten versehen. Der Pfarrer erhält seine Be-soldung gröstentheils aus der Kellerei Heppenheim, welche auch daselbst den großen Zehenden allein bezieht; am kleinen – und am Heuzehenten aber hat der Pfarrer 1/3. Den Beinezehenden be-zieht die Oberschaffnerei Lorsch allein. Von den Marquardsäckern hat der Schulmeister den kleinen Zehenden Das alte Rathhaus ist im Jahr 1608 auf kurfürstlichen Befehl dem Schulmeister eingeräumt und hierauf ein neues Rathhaus gebauet worden. Bürrstadt hat das Privilegium eines Jahrmarktes auf Dienstag nach Lätare derselbe will ab nicht viel mehr sagen. An Wohngebäuden zählt dieser Ort 187 mit 1354 Seelen. Seine Feldmark besteht in 2606 Morgen Äcker und Wiesen. In Ansehung der Waldung ist es wie mit Lorsch.
Von Lehen und andern adelichen Güthern findet man daselbst:
a.) Ein vormals Bischöfflich Wormsisches Guth, das ehedem die Junker von Affenstein als Lehen besaßen.
b.) Das von Kettenheimische Guth, das nachher an die Freiherrn von Speth kam.
c.) Das Marquards oder Horneckelsguth, welches vormals dem Kloster Lorsch eigen, von selbigem aber 1412 denen von Horneck auf Wiederlösung verkauft wurde, von welchen es in der Folge an die Herrn von Hoheneck kam.
d.) Das Knoblauchsguth, modo von Boos gehörig und
e.) Das von Wamboldisch Guth.
Wegen dem Fischwasser im Rosengarten bei Worms so wie wegen dem Zollhaus dasselbst war vormals langwieriq Streit mit Kurpfalz.
…
Zur Gemeinde und Pfarrei Birrstadt gehört auch der Boxheimer Hof; er liegt ½ Stunde von Birrstadt gegen Virnheim zu und ist ein altes unmittelbares Eigenthum des Klosters der nachherigen Probst und Oberschaffnerei Lorsch. Wahrscheinlich ist dieser Hof die alte Villa Wizzilin oder Wizzelai, die mit Birrstadt in einer Lorscher Urkunde vom Jahr 789 vorkömmt.«
1813
Völkerschlacht bei Leipzig - Niederlage Napoleons. Hessen-Darmstadt wechselt die Seiten.
1815
Wiener Kongress - Neue Grenzen werden gezogen.
1815
2. Januar - Der Boxheimerhof hat 72 Bewohner, die bis auf einen Protestanten alle katholisch waren. Es wird um Bitte eines Kirchleins vorgetragen. Sie sollte zu Ehren des Hl. Wendelinus gebaut werden. Am 7. April des gleichen Jahres wurde die Genehmigung zum Bau der Kapelle unter bestimmten Auflagen erteilt.
1818
Fertigstellung der Wendelinus Kapelle auf dem Boxheimerhof. Bau der ersten jüdischen Synagoge in der heutigen Mainstraße 24.
1821
Im Jahr 1821 wurden die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform aufgelöst und Landratsbezirke eingeführt, wobei Bürstadt dem Landratsbezirk Heppenheim zugeteilt wurde. Diese Reform ordnete auch die Verwaltung auf Gemeindeebene neu. So war die Bürgermeisterei in Bürstadt eine von zwölf im Landratsbezirk. Entsprechend der Gemeindeverordnung vom 30. Juni 1821 gab es keine eingesetzten Schultheißen mehr, sondern einen gewählten Ortsvorstand, der sich aus dem Bürgermeister, den Beigeordneten und dem Gemeinderat zusammensetzte.
1824
3. November - Der Reuterdeich bei Nordheim war gebrochen und die Fluten des Rhein überschwemmten das Ried. Bobstadt wurde hart getroffen und die Not war groß. Bobstadt zählte im Jahre 1824 bei 69 Familien 338 Einwohner.
1825
In der „Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthums Hessen“ heißt es über Bürstadt:
»Bürstadt, katholisches Pfarrdorf von 194 Häusern und 1540 Einwohnern, 3 Stunden von Heppenheim und 2 Stunden von Lorsch entfernt. Die Hauptnahrung geben Ackerbau und Viehzucht, wozu 2610 alte Morgen Aecker und Wiesen vorhanden sind, Tabacksbau und Handwerken.«
1829
Die „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ berichtete über Bürstadt und die zugehörigen Höfe:
»Bürstadt (L. Bez. Heppenheim): kath. Pfarrdorf; liegt 3 St. von Heppenheim, 2 St. von Lorsch und 1½. St. von Worms; hat 228 Häuser und 1807 Einw., die bis auf 2 Luth. und 44 Juden alle katholisch sind; eine 1739 erbaute aber 1753 erst eingeweihte schöne Kirche, eine kleine Kapelle und eine Synagoge.«
»Boxheimer Hof (L. Bez. Heppenheim) Hof; hat 9 Häuser und 68 Einw., die bis auf 1 Reform. katholisch sind. Der Hof kam 1802 an Hessen und 1818 wurde hier ein Bethaus gebaut«
»Rheinschanz-Zollhaus (L. Bez. Heppenheim) Hof; gehört zu Bürstadt; besteht aus Wiesen und einer Weidenanlage und ist herrschaftlich«
1832
Hambacher Schloss in der Pfalz - Es wird für die Deutsche Einigung und eine Verfassung demonstriert. Die Verwaltungseinheiten wurden ein weiteres Mal vergrößert und Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Bürstadt im August zum Kreis Bensheim.
1832
Ein altes Postgebäude in der Mainstraße dient als Schulhaus, dessen Räumlichkeiten sich alsbald als zu klein erweisen.
1842
Im israelitischen Gemeindehaus in der Mainstraße wird ein jüdisches Frauenbad errichtet.
1845
Im „Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten“ finden sich folgende Einträge:
»Bürstadt b. Heppenheim. – Dorf mit katholischer Pfarrkirche, hinsichtlich der Evangelischen zur Pfarrei Lampertheim gehörig. – 228 H. 1807 E. (inc!. 44 Juden). – Großherzogth. Hessen. – Prov. Starkenburg. – Kr. Bensheim. – Landgericht Lorsch. – Hofgericht Darmstadt. – Das Dorf Bürstadt, 3 St. von Heppenheim, 2 St. von Lorsch und 1½ St. von Worms belegen, hat außer der Pfarrkirche auch eine kleine Kapelle und eine Synagoge. Der Ort ist mit dem Kloster Lorsch (l232) an das Erzstift Mainz und von diesem (1802) an Hessen gekommen.«
»Boxheim bei Bürstadt. – Hof, zur evangel. Pfarrkirche Lampertheim gehörig. – 9 H. 68 E. – Großherzogthum Hessen. – Prov. Starkenburg. – Kreis Bensheim. – Landgericht Lorsch. – Hofgericht Darmstadt. – Der Hof, welcher im Jahre 1802 an Hessen gekommen ist, hat ein Betbaus.«
„Rheinschanzzollhaus b. Bürstadt. – Hof; zur evangel Pfarrei Nordheim, resp. kathol. Pfarrei Bürstadt gehörig. – 1 H. 6 E. – Großherzogth. Hessen. — Prov. Starkenburg. – Kreis Bensheim. – Landger. Lorsch. – Hofgericht Darmstadt. – Der Hof liegt auf der östlichen Seite der von Hofheim nach Worms führenden Straße. Dabei sind Wiesen und eine Weidenanlage.“
1846
Das Haus des Gemeindeschreibers Schmitt wird als Schulhaus angekauft (sog. „Blaues Palais“ Schulstraße/Ecke Nibelungenstraße).
1848
Revolutionsjahr - Erste verfassungsgebende Nationalversammlung der deutschen Geschichte in der Paulskirche in Frankfurt. Am 31. Juli 1848 wurden die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852, in der Reaktionsära, wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Bürstadt von 1848 bis 1852 zum Regierungsbezirk Heppenheim, der aus den Kreisen Bensheim und Heppenheim entstand. Nach der Auflösung der Regierungsbezirke wurde Bürstadt dem Kreis Heppenheim zugeschlagen.
1850-1860
In den Jahrzehnten nach dem Revolutionsjahr 1848 sind viele Bürstädter und Bobstädter nach Amerika ausgewandert.
1852
Das Schul- und Rathaus in Bobstadt wird gebaut, heute Bürgerhaus. Die im Dezember 1852 aufgenommenen Bevölkerungs- und Katasterlisten ergab für Bürstadt: Katholisches Pfarrdorf mit 2718 Einwohnern. Die Gemarkung besteht aus 6906 Morgen, davon sind 4167 Morgen Ackerland, 2478 Morgen Wiesen und 15 Morgen Wald. Zu Bürstadt gehören der Boxheimer Hof, der Hof Rheinschanz und das Zollhaus.
1858
Der ehemalige Friedhof um St. Michael, der als Nutzgarten und später von der Gemeinde als Baumschule genutzt wurde, wird auf Anregung von Pfarrer Nuschel zu einer "schönen Anlage" umgewandelt. Bäume und Sträucher gaben der Anlage ein eigenes Flair. Nach 1918 verfiel die Anlage und bei der Erweiterung von St. Michael im Jahre 1926 wurde der Chor der erweiterten Kirche darauf errichtet.
1860
Der Friedhof an der Mainstraße wird am 11. März eingeweiht. Der Friedhof an der Friedhofsstraße war voll belegt und wird stillgelegt.
1861
Bobstadt wird Posthilfsstelle.
1861
Das neu erbaute israelitische Gemeindehaus in der Mainstraße 22 wird bezogen.
1861-1862
Bau der neuen Synagoge, die 1938 abgetragen wurde. Beide Synagogen standen in der Mainstraße 24.
1864
Erbauung eines neuen Friedhofkapellchens auf dem neuen Friedhof.
1866
Am Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866, in dem das Großherzogtum Hessen-Darmstadt auf der Seite des Deutschen Bundes gegen Preußen und seine Verbündeten kämpfte, war der Bürstädter Georg Franz Kreiner beteiligt. Er fiel am 13. Juli 1866 nahe dem Ort Hösbach bei Aschaffenburg und wurde dort begraben. Preußische Soldaten sind in Bürstadt einquartiert.
1867
In diesem Jahr hatte Bürstadt 50 Bürger israelitischen Glaubens. Dies war der höchste Stand aller Zeiten. In den Statistiken des Großherzogtums Hessen-Darmstadt wurden, bezogen auf Dezember 1867, für Bürstadt eine eigene Bürgermeisterei, 370 Häuser, 2678 Einwohnern, der Kreis Heppenheim, das Landgericht Lorsch, die evangelische Pfarrei Lampertheim des Dekanats Zwingenberg und die katholische Pfarrei Bürstadt des Dekanats Bensheim angegeben. Durch die Bürgermeisterei wurde außerdem der Boxheimer Hof (5 Häuser, 47 Einwohner) verwaltet.
1869
1. November - Eröffnung der Nibelungenbahn von Worms über Lorsch nach Bensheim, wo sie Anschluss an die bereits 1846 fertiggestellte Bahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg hatte. Zwischen Bürstadt und Lorsch waren 7 beschrankte Bahnübergänge:
1. bei Bürstädter Viehtriebs-Schranke
2. zum Bruch mit Bahnwärterhaus (heute Riedrode)
3. Breite Schneise Bedarfs-Schranke
4. Lorscher Wald mit Bahnwärterhaus und Bedarfsbahn-hof mit Gartenwirtschaft
5. Zur Sandkaute, Schranke wurde vom Lorscher Wald aus mitbedient
6. Übergang Richtung Einhausen mit Bahnwärterhaus
7. An der Autobahn bei Lorsch.
1870
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 waren etwa 100 Männer aus Bürstadt beteiligt, von denen vier nicht mehr zurückkehrten. Am 25. Oktober 1870 wütete in Bürstadt ein schwerer orkanartiger Sturm, der fast alle Häuser in Mitleidenschaft zog und die Zierpfeiler am Turm der Kirche St. Michael so schwer beschädigte, dass diese abgetragen werden mussten. Mit dem Reichsmünzgesetz von 1871 gab es in Deutschland nur noch eine Währung, die Mark mit 100 Pfennigen als Untereinheit.
25. Oktober - 6 Uhr abends - erhebt sich ein schwerer orkanartiger Sturm. Durch dieses Naturereignis war jedes Haus in Bürstadt beschädigt und die Ziegel abgedeckt. Die sich an der Kirche St. Michael am Dachgiebel auf beiden Seiten des Turmes befindlichen steinernen Zierpfeiler wurden stark beschädigt bzw. herabgeworfen. Sie mussten abgetragen werden.
1871
18. Januar - In der französischen Residenz Versailles feierliche Kaiserproklamation.
1871
Bobstadt hat 431 gezählte Einwohner.
1874
wurde eine Anzahl von Verwaltungsreformen durchgeführt. So wurden die landesständige Geschäftsordnung sowie die Verwaltung der Kreise und Provinzen durch Kreis- und Provinzialtage geregelt. Die Neuregelung trat am 12. Juli 1874 in Kraft und verfügte auch die Auflösung der Kreise Lindenfels und Wimpfen und die Wiedereingliederung von Bürstadt in den Kreis Bensheim.
1877
Im Frühjahr wird die Bahnstrecke Frankfurt-Mannheim (Riedbahn) eingeweiht und das Stationsgebäude erstellt.
1878
Bau eines Schulhauses in der Wilhelminenstraße (sog. Nibelungenschule bzw. Alte Schule). Am 8. Mai erfolgt die Übergabe des neuen Schulhauses.
1882
Im Mai wurde der katholische Pfarrer von St. Michael, Peter Itzel, von dem Tagelöhner Fischbach erstochen. Bürstadt bekam dadurch einen schlechten Ruf und erhielt den Spitznamen „Messerstecher“. Im Dezember des gleichen Jahres hatte der Rhein erneut Hochwasser und zwischen Lampertheim und Rosengarten brach der Rheindamm, sodass große Teile des Rieds überflutet wurden. Auch Bürstadt war stark betroffen, was zur Evakuierung von Teilen der Bevölkerung an die Bergstraße führte.
1887
Am 8. Mai wurde die zweite Hälfte des neuen Schulhauses in der Wilhelminenstraße seiner Bestimmung übergeben. Sie hatte vier Schulsäle und einige Kammern unter dem Dach.
1890
Der Boxheimerhof wird hessische Staatsdomäne.
1894
Am 11. November wurde das neu erbaute Schwesternhaus in der Wilhelminenstraße eingeweiht. Die sich darin befindlichen Mainzer Schwestern widmeten sich der Krankenpflege und die Kleinkinderschule wurde dort untergebracht. Vorher befand sich die Kleinkinderschule im Anbau des Gemeindehauses neben der Kirche. In diesem Schwesternhaus war auch die Strickschule und die Nähschule untergebracht.
1900
Bobstadt wird Bahnhaltepunkt.
1902
Leutnant Heinrich von Giess, geb. 1841 aus dem hessischen Militärdienst mit 55 Jahren pensioniert, von da an Erforscher römischer Siedlungsplätze, gräbt vom 28. August bis 23. September in Bürstadt. Reste eines römischen Bauerhofs werden am Waldrand gefunden. Die Hofreite des Keilmann (Keilmännsches Anwesen + Ölmühle) könnte die frühere villa regalis gewesen sein.
1903
Die Schillerschule in der heutigen Magnusstraße wird gebaut.
1906
Kauf eines Obstgartens in der Heinrichstraße durch die evangelische Gemeinde.
1909
Das „Keilmännsche Anwesen“ + Ölmühle wird von der Gemeinde St. Michael gekauft.
1910
30.3. - erste Belegung im Gemeindefriedhof in Bobstadt. Am 19. November Erstausgabe der Bürstädter Zeitung. Am 1. Februar wird der SC 1910 Bürstadt gegründet und am 23. August 1919 zu VfR Bürstadt umbenannt.
1913
Die katholische Bevölkerung von Bobstadt bildet eine eigene Kirchengemeinde und bleibt noch bis 1958 eine Filiale von St. Michael, Hofheim.
1914/18
Der Erste Weltkrieg - Niederlage - Kaiser Wilhelm II. geht nach Holland ins Exil. Schießstand der 118. Infanterieregiments „Prinz Carl“.
1919
"Weimarer Verfassung".
Am 23. August 1919 wird der SC 1910 Bürstadt zu VfR Bürstadt 1910 eV umbenannt.
1921
Anton Siegler (Zentrum) wird Bürgermeister.
1922
Der Ökonomierat Dr. Dehlinger, Abgeordneter des Hess. Landtags, reichte einen Antrag zur Kultivierung des Riedes im Landtag ein. Auf dem anfallenden Gelände sollen neue Dörfer entstehen.
1923
Hyperinflation. Das gesparte Vermögen zum Kirchneubau von St. Michael geht „verloren“.
1923-1925
Kirchenneubau St. Michael. Die Kirche besteht eigentlich aus 2 Kirchen, eine in Ost West Richtung und eine in Nord Südrichtung. Diese sind aus verschiedenen Epochen.
1925
Bei einer Gesamteinwohnerzahl von 7.144 sind 38 Mitbürger jüdischen Glaubens. Gründung der Kath. Kirchenmusik KKM. Die evangelische Kirche in der Heinrichstraße wird gebaut.
Bobstadt hatte 786 gezählte Einwohner.
1926
Einweihung des Erweiterungsbaus von St. Michael.
Fertigstellung und Einweihung der Evangelischen Gustav-Adolf-Kirche.
1927
Bobstadt erhält die Not- oder Holzkirche für die katholische Kirchengemeinde.
Dr. Richard Wagner (1902-1973) übernimmt die Staatsdomäne Boxheimerhof von seinem Schwiegervater.
1930
Umzug der Gemeindeverwaltung vom historischen alten Rathaus in das durch Kauf erworbene Dusenbergsche Anwesen.
1931
Die "Boxheimer Dokumente" werden in schönster Abgeschiedenheit von führenden Hessischen Nazis konzipiert mit denen Mitglieder der NSDAP versuchten, eine gewaltsame Machtübernahme im Deutschen Reich vorzubereiten. Die Veröffentlichung der Dokumente schlug in der angespannten innen- und landespolitischen Lage des Herbstes 1931 hohe Wellen. Der Pächter des Hofes, Dr. Richard Wagner, war als Gaufachberater Landwirtschaft und späterer Landesbauernführer maßgeblich bei der Schaffung von Riedrode und Rosengarten beteiligt. Dr. Werner Best, Gaufachberater Innenpolitik hat bei der Gestapo und im Reichssicherheitshauptamt in Berlin Karriere gemacht. Er wurde sogar Stellvertreter von Reinhard Heydrich (Obergruppenführer der SS).
1932
Dr. Richard Wagner beendet die Pacht der Staatsdomäne Boxheimerhof.
1933
Die Nationalsozialisten kommen an die Macht. Am 06. März 1933 wurde Bürgermeister Siegler (Zentrumspartei) zwangsweise abgesetzt.
März 1933: Dr. Werner Best richtet das erste hessische Konzentrationslager in Osthofen bei Worms ein. Mindestens 43 Bürstädter (im Wesentlichen SPD, KPD und Gewerkschafter) werden inhaftiert, gefoltert und gedemütigt.
In Hessen wurde am 3. Juli 1933 das „Gesetz zur Durchführung von Feldbereinigung zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung im Zuge der Riedmelioration“ erlassen. In 13 Gemeinden der Provinz Starkenburg, darunter Bürstadt wurde das Feldbereinigungsverfahren auf einer Fläche von 200.000 ha angeordnet. Im Verlauf dieses Meliorations- und Siedlungsprogramms entstanden die beiden Orte Riedrode und Worms-Rosengarten.
Im Ried wurde mit dem Roden und Entwässern begonnen.140 ha Wald wurden abgeholzt und ca. 560 Morgen Feld gerodet, 32 Morgen Spargel und 1080 Zwetschgenbäume wurden gepflanzt. 35 000 Arbeitstage vom männlichen und weiblichen Reichsarbeitsdienst wurden geleistet. Verantwortlich war Landeskulturrat Hans Reich und Landesbauernführer Dr. Richard Wagner.
Am 06.09.1933 wurden die Richtlinien zum Bau von Riedrode erlassen. (Gepl. 28 Bauernhöfe mit je 30 Morgen Feld als reines Kuhdorf)
Offizielle Behörde:
1. Der Reichsstatthalter in Hessen. Landesregierung Abt 6 (Landwirtschaft)
2. Reichsstelle für die Auswahl deutscher Bauernsiedler. Landesstelle Hessen –Nassau, Bockenheimer Landstraße 25, Frankfurt a. M.
1934/35
Der Schlinkenwinkel und der anschließende Bruchschlag werden gerodet.
1934
Das Konzentrationslager Osthofen wird aufgelöst.
Am 25.Oktober kommen die ersten 40 RAD (Reichsarbeitsdienst) Mädels nach Bürstadt in die Schillerschule. Aus Holz wurde das RAD-Lager 6/11 im Schlinkenwinkel bei Riedrode gebaut und im Dezember von ca. 100 RAD-Mädels bezogen und eingeweiht.
1935
Ab 01.05. Bau der ersten Häuser in Riedrode. Es kamen die ersten Siedler, die Familie Schwaier, nach Riedrode. Sie wurden von RAD-Mädels mit Kuchen und geschmücktem Haus empfangen.
1933 – 1940
Viele der heutigen Straßen hatte andere Namen, die Mainstraße war früher die "Adolf Hitler - Straße" und die Nibelungenstraße war "Ernst Ludwigstraße", die Marktstraße lautete "Straße der SA". Der Beethovenplatz war der "KDF Platz", die Karl Ulrich Straße wurde zur "Horst Wessel Straße" und die Bürgermeister Siegler Straße war ursprünglich die "Göring Straße".
1936
10.7. - Einweihung des ersten Hessischen Erbhofdorfes Riedrode. 28 Familien übernahmen 28 Erbhöfe. Eugen Schwaier wurde zum ehrenamtlichen Bürgermeister ernannt. 1936 wohnten noch 20 Juden in der Stadt. Zwei jüdische Mitbürger wurden bereits im Mai 1938 verhaftet und ins KZ-Osthofen gebracht. Besuchte der ehemalige engl. Premierminister Lloyd Georg Riedrode.
1937
Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben.
Durch einen Federstrich des Reichsstatthalters wurde durch die Gründung der selbständigen Gemeinde Rosengarten, die uralte, zu Bürstadt gehörende Gemarkung "Wehrzollhaus" abgetrennt. Bürstadt hatte über viele Jahrhunderte hinweg freien Zugang zum Rhein und die Bürstädter konnten ihr Vieh am Rhein tränken, ohne fremdes Gebiet über-queren zu müssen.
1937/38
Das neue RAD-Lager in der heutigen Bahnhofstraße wurde gebaut.
Zum 1. November 1938 trat dann eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. In der ehemaligen Provinz Starkenburg war der Kreis Bensheim besonders betroffen, da er auf-gelöst und zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde. Der Kreis Heppenheim übernahm auch die Rechtsnachfolge des Kreises Bensheim und erhielt den neuen Namen Landkreis Bergstraße. Bürstadt allerdings wurde mit den Nachbargemeinden Lampertheim, Hofheim, Rosengarten und Biblis dem Kreis Worms, der damals zu Rheinhessen gehörte, zugeschlagen.
1938
Im November brachte die sogenannte Reichspogromnacht den jüdischen Mitbürgern Not und Elend. Die Bürstädter Synagoge war zu diesem Zeitpunkt bereits verkauft. SA-Leute drangen in die Wohnung einer jüdischen Familie ein, verwüsteten diese und misshandelten die 17-jährige Tochter. Die fünf Einwohner jüdischer Abstammung, die 1939 noch in der Stadt waren, wurden verhaftet und in Vernichtungslager deportiert. Von den in Bürstadt geborenen oder längere Zeit hier lebenden Personen kamen 17 durch die NS-Gewaltherrschaft ums Leben.
1939
Bürstadt erhält sein erstes Freibad. Der Riedroder Bahnhof wurde gebaut und am 15.5.39 hielt der erste Zug in Riedrode.
Am 01. September 1939 beginnt der Zweiten Weltkrieg.
1941
03.02. Das erste Riedroder Kriegsopfer. Der Oberleutnant O. H. Häuser kehrte von einem Feindflug nicht zurück. Riedrode hatte 147 Einwohner (27 Bauern-Familien). Das „blaue Palais“, vorher eine Schule, wird Polizeistation.
1942
Bürgermeister E. Schwaier wurde zur Wehrmacht eingezogen. Riedrode wurde von Bürstadt mitverwaltet. Am 14. Jan. wurden die Amtsgeschäfte an Bürgermeister Kraft, Bürstadt, übergeben.
1942–1944
Im Bruch übten Piloten mit in Biblis stationierten Stukas (Stutzkampfbomber) Bomben abzuwerfen.
1943
Am 18. November beim Luftangriff auf Mannheim / Ludwigshafen wird ein englischer Bomber über Bobstadt von einem Jagdflieger abgeschossen. Nur der Pilot überlebte.
1944
Wurde begonnen, im Sandfeld eine Start- und Landebahn für die ersten Düsen-strahlflugzeuge zu bauen (wurde bis Kriegsende nicht fertig). Der eigentliche Schöpfer von Riedrode, Landeskulturrat Hans Reich, starb bei einem schweren Luftangriff von Alliierten Bombern am 11. September. Der Flugplatz Biblis wurde an Weihnachten bombardiert. Die Bauern der Nachbargemeinden, auch die Riedroder, die nicht im Krieg waren, mussten mit Pferdegespannen, zum Aufräumen und Reparieren nach Biblis. Ende 1944 verlassen die RAD Mädels Riedrode.
1945
Die Kreisstadt Worms wurde am 21. Februar von Alliierten Fliegern bombardiert und fast völlig zerstört. 5 Artilleriegeschütze sowie leichte FLAK hat man im Frühjahr im Gebiet Sonneneck / Boxheimerhof aufgestellt.
Am 20. März 1945 3.20 Uhr wird die Wormser Rheinbrücke von Pionieren der Wehrmacht gesprengt.
Am 21. März 1945 wurden in Riedrode 2 Bomben von einem Jagdbomber abgeworfen, Ernst Becker und 4 Soldaten starben und viele wurden verletzt. Die Scheune Becker wurde völlig zerstört.
Amerikanische Truppen besetzten am 25. März 1945 die Kreisstadt Worms. Bürstadt, Bobstadt und Riedrode wurde von der amerikanischen Artillerie beschossen, viele Gebäude wurden beschädigt. Der ehemalige Bürgermeister Anton Siegler stirbt.
Bürstadt wird in den frühen Morgenstunden des 26. März 1945 befreit. Große Beschädigungen an den Kirchen, Scheunen usw. Um 22:00 Uhr besetzen die Amerikaner Riedrode. Bürstadt hatte etwa 500 gefallene oder vermisste Soldaten in diesem Krieg zu beklagen.
1945 ff
Nach dem Krieg nimmt Bürstadt zu den damals 9.000 Einwohnern noch ca. 1.200 Heimatvertriebene auf.
Mit der Neueinteilung der Bundesländer durch die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs nach 1945 wurde Rheinhessen westlich des Rheins dem Bundesland Rheinland-Pfalz zugeschlagen und Bürstadt in den Kreis Bergstraße integriert. Nach dem Krieg stieg die Bevölkerungszahl durch die Ansiedlung vieler Heimatvertriebener und innerhalb kürzester Zeit um etwa 1200 Einwohner oder rund 13 %.
1949
Am 19. März wurde die Sportgemeinde Riedrode gegründet. Der Reit- und Fahrverein Einhausen-Riedrode wurde am 10. April gegründet. Am 23. Mai wurde die “Bundesrepublik Deutschland" mit dem „Grundgesetz" gegründet. Am 29. September wurden die Straßen "Stubentränke" in Waldstraße "Gänsweidweg" in Lindenstraße "Am Bruch" in Bahnhofstraße umbenannt.
1950
Die zwei letzten Kriegsgefangenen von Riedrode (Otto Ruhl und Friedrich Brutscher) kommen im Januar nach Hause.
1952
Einweihung der evangelischen Kirche in Bobstadt. Der Fußballsportverein (FSV) wurde am 02. November gegründet. 1.Vorsitzender war Adam Schweickert.
1953
30. April Brückeneinweihung nach dem Wiederaufbau der Wormser Rhein-Brücke die, am 20.3.1945 von der Deutschen Wehrmacht gesprengt wurde.
1954
Bau der „Kettlersiedlung“.
1960
Die Albert-Schweizer-Schule wird gebaut.
1961
Einweihung der Neuapostolischen Kirche in Bürstadt. Im Jahr 1961 wurde die Gemarkungsgröße mit 2561 ha angegeben, davon waren 820 ha Wald.
1963
konnte die katholische Kirchengemeinde ihr neues Gotteshaus "St. Peter" einweihen. Auf dem Boxheimerhof / Gärtnersiedlung werden Urnengräber aus der Bronzezeit gefunden.
Die seit 1958 selbstständige Pfarrei St. Josef, Bobstadt, weiht die neue Kirche ein.
1967
1200 Jahre Feier der ersten urkundlichen Erwähnung - Der Gemeinde Bürstadt wurde am 1. Juni 1967 durch den Hessischen Minister des Innern das Recht verliehen, die Bezeichnung Stadt zu führen.
1971
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Juli 1971 die bis dahin selbstständige Gemeinde Riedrode nach Bürstadt auf freiwilliger Basis eingemeindet. Am 31. Dezember 1971 folgte die Eingemeindung von Bobstadt. Für die beiden Stadtteile wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Bobstadt erhält eine Friedhofshalle.
1975
Der VfR Bürstadt wird Deutscher Amateurmeister
1976
Bobstadt feiert sein 1200-jähriges Bestehen und erhält die Mehrzweckhalle als Schul-turnhalle und zum Gebrauch für kulturelle Veranstaltungen. Große Waldbrände im Sommer 1976 zwischen Lorsch und Riedrode (Evakuierungsgefahr für Riedrode).
1978
Einweihung der Gesamtschule/ Erich-Kästner-Schule. Die Umgehungsstraße wird eingeweiht.
1981
Fertigstellung des neuen Bürger-/Rathauses in der Rathausstraße 2 und
21. Hessentag in Bürstadt. Der Blaue Bock mit Heinz Schenk ist in Bürstadt zu Gast.
1987
In der Gartenstraße 47 werden beim Vertiefen des Kellers sowie bei Kanalarbeiten zahlreiche Römerfunde (Knochen und Scherben) verzeichnet.
1988
Die Freiwillige Feuerwehr Bobstadt erhält ein neues Feuerwehr-Gerätehaus. Im Oktober 1988 waren auf Einladung des Magistrats der Stadt Bürstadt ehemalige Mitbürger jüdischen Glaubens, die heute im Ausland leben, zu Besuch in ihrer alten Heimat.
Am 31.12. hat Bürstadt 12.360 Einwohner, Bobstadt 2.258 Einwohner
und Riedrode 596 Einwohner = 15.214 Einwohner
1992
Stadtjubiläum -1225 Jahre der ersten urkundlichen Erwähnung im Codex des Klosters Lorsch.
1995-1999
Sanierung des historischen Rathauses
2004
In Bürstadt entsteht die größte Dachphotovoltaikanlage der Welt auf dem Gelände der TTS Spedition in der Waldgartenstraße.
2005
In Bürstadt wurde die damals größte Dach-Photovoltaikanlage der Welt in Betrieb genommen (45.000 m² Dachfläche; 5 MW Leistung). Noch im selben Jahr wurde Bürstadt Deutscher Meister in der Solarbundesliga (Kategorie 10.000–100.000 Einwohner).
2006
Errang Bürstadt die Goldmedaille im Wettbewerb Entente Florale.
2007
am 22. Februar fand die Grundsteinlegung für einer der größten Biogasanlagen Deutschlands (ca. 2,2 MW elektrische Anlagenleistung) statt.
2008
vom 5. bis 7. September wurde die Messe EnergieTrends+ (Messe für regenerative Energien) zum ersten Mal veranstaltet.
2015
Im Sonneneck IV wird der „Ur – Bürstädter, ein 7.100 Jahre altes Skelett, gefunden.
2023
Im September wird der Sportpark Bürstadt eingeweiht.
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten, denen Bürstadt angehörte:
• vor 1782: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Amt Starkenburg (1461–1650 an Kurpfalz verpfändet), Zent Heppenheim
• ab 1782: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Unteres Erzstift, Oberamt Starkenburg, Amtsvogtei Lorsch
• ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Lorsch
• ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Starkenburg, Amt Lorsch[37]
• ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Lorsch
• ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Heppenheim[Anm. 1]
• ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim
• ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Heppenheim
• ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim
• ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim
• ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bens-heim
• ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim
• ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Worms[38][Anm. 2]
• ab 1945: Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Bergstraße
• ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Bergstraße
• ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Bergstraße