Historische Stadtführung in Bürstadt:
Ein Spaziergang durch die Jahrhunderte
Von Klaus Grinda und Hans Dieter Niepötter
Vom „Ur-Bürstädter“, einem 7.100 Jahre alten Skelett, über Könige und Kaiser, die in Bürstadt ihr Lager in einem Königshof aufschlugen, bis zu wechselnden Religionszugehörigkeiten, berichtete Stadtführer Klaus-Dieter Grinda bei der ersten inklusiven Stadtführung des Inklusionsbeirats der Stadt Bürstadt.
„Bürstadt, eine Stadt mit weit über 1250 Jahren Geschichte, ist ideal für einen historischen und inklusiven Stadtrundgang“, erläuterte Hans Dieter Niepötter, Vorsitzender des Inklusionsbeirats der Stadt Bürstadt.
Die Stadt Bürstadt wurde erstmals 767 im "Lorscher Codex" urkundlich erwähnt. Der Name Bürstadt bzw. Bisistat leitet sich von „Bisos Stätte“ ab. Biso war vor dieser Zeit ein fränkischer Fürst, der in der Gegend um Bürstadt Besitzungen hatte, erzählte Stadtführer Grinda bei seinem einführenden Vortrag im MITtendrin gegenüber dem historischen Rathaus den Zuhörern, die bei Kaffee und Kuchen seinen Vortrag mit großem Interesse verfolgten.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Bürstadt zu einer bedeutenden Siedlung in der Oberrheinebene, geprägt von keltischen, römischen und fränkischen Einflüssen. Flüchtlinge haben zu allen Zeiten die Stadt wachsen lassen. Nach dem 2. Weltkrieg kamen Ostpreußen, Pommern, Schlesier usw. und befruchteten die Entwicklung der Stadt weiter.
Die Teilnehmer erfuhren außerdem den Grund der Namensgebung für die Lachgärten, Bubenlache, Steinlache und „Die Lächner“, die auf Rheinarme, sogenannte Lachen zurückgehen und dass während der Römerzeit das Gebiet im Bereich der heutigen Gartenstraße und Sonneneck vermutlich mit Kähnen angefahren werden konnte, weil hier mehrere größere Lachen verliefen.
Auch die unterschiedliche Entwicklung der Städte Lampertheim und Bürstadt ist auf die Trennung beider Orte durch Rheinarme und der Zugehörigkeit unterschiedlicher fränkischer Provinzen zurückzuführen. Lampertheim ist überwiegend evangelisch geprägt und Bürstadt katholisch, so Grinda in seinen Ausführungen.
Gestärkt und gut vorbereitet durch den Vortrag von Klaus Dieter Grinda, sowie Kaffee und Kuchen, den Teilnehmerinnen gebacken hatten, brach die Gruppe zu Fuß, in Rollstühlen und mit Rollatoren am Historischen Rathaus, das 1726 auf den Grundmauern eines älteren Gebäudes neu errichtet wurde, zur Stadtführung auf.
Ein weiterer Höhepunkt war die katholische Kirche St. Michael, deren heutiger Bau ursprünglich 1732 begann und die über die Jahrhunderte erweitert wurde. Der Turm stammt sogar noch aus der Zeit um 1550 – 1570. Die Kirche steht auf dem höchsten Punkt der Bürstädter Gemarkung. Lediglich der Boxheimer Hof liegt unwesentlich höher. Die erste karolingische Kirche gehörte vermutlich zum alten Königshof, den wir in unmittelbarer Nähe zur heutigen Kirche in westlicher Richtung zum Briebel hin vermuten.
Erwähnt wurde auch die Geschichte des Leibgardisten und späteren Oberschultheißen Heinrich Schremser, der 1812 im napoleonischen Russlandfeldzug dem Prinzen Emil von Hessen – Darmstadt das Leben rettete und hoch dekoriert wurde. Darüber hinaus wurde erläutert, warum die Louisenstraße und Gaststätte Zur Krone zu ihrem Namen kam.
Natürlich kam auch die Herkunft der Bezeichnung „Bürstädter Messerstecher“ zur Sprache.
Die historische Stadtführung in Bürstadt ist eine wunderbare Gelegenheit, die Vergangenheit lebendig werden zu lassen und die kulturellen Schätze der Stadt zu entdecken. Ob Geschichtsinteressierte oder einfach nur Neugierige – dieser Rundgang bietet für jeden etwas und macht die Geschichte erlebbar und greifbar.
Hans Dieter Niepötter zeigte sich erfreut vom großen Zuspruch der Gäste zu dieser Veranstaltung und lobte die gelungene Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatgeschichte Bürstadt und dem Odenwaldclub Lampertheim. „Ich werde auch zukünftig die Vernetzung mit Akteuren, sowohl in Bürstadt als auch in den Nachbargemeinden anstreben“, so Niepötter, der für die Zukunft weitere interessante Veranstaltungen versprach.