Bürstadt hat viele geschichtsträchtige Orte zu bieten
von Klaus Grinda
Wie die zahlreichen Rheinschlingen (auch Lachen oder Bruch genannt) in der Gemarkung Bürstadt bereits 5.000 Jahre vor Christus Menschen veranlasst haben, sich dort niederzulassen, erläuterte Klaus Grinda vom Verein für Heimatgeschichte in der Gaststätte des Obst- und Gartenbauvereins am Samstag, dem 01.06.2024.
Eigentlich war eine gemütliche Fahrradtour zu den beschaulichen Plätzen der Bürstädter Historie geplant. Aufgrund der aktuellen Wetterlage wurde dann jedoch spontan umgeplant und die Veranstaltung ins Trockene verlegt.
So begab man sich auf eine kleine gedankliche Reise durch die Bürstädter Gemarkung, beginnend auf dem Boxheimerhof / Sonneneck, der vermutlich älteste Siedlungsstelle Bürstadts.
Man hörte von römischen Veteranen, die sich nach Christi Geburt an den Rheinschlingen niederließen, von Burgundern, Alemannen und Franken sowie von Kaiser und Königen, die nachweislich mindestens achtmal am Bürstädter Königshof in der Gemarkung Station machten. Deren großer Hofstaat lagerte auf den Auenwiesen westlich des Briebels, während der Königshof wahrscheinlich an der St. Michaelskirche gelegen haben muss.
Neben der St. Michaelskirche, neben dem Boxheimerhof der am höchsten gelegene Punkt in der Gemarkung, lag später um 1738 ein Gutshof des Forstmeisters Freiherr von Speth, quasi ein "Fürstenlager in klein" mit etlichen Obstbäumen und Weinreben. Aus diesem Areal entstand später das Keilmännsche Areal samt Ölmühle, das 1910 von der katholischen Kirche zur Kirchenerweiterung gekauft wurde.
Zu der jüngeren Geschichte gab es einen regen Austausch der interessierten Gruppe zu Erinnerungen und Erlebnissen aus ihrer Kindheit oder Erzählungen der Eltern. So hörte man auch vom Schicksal der Bürgermeister Anton Siegler oder Jakob Held. Auch wurde über das frühe Konzentrationslagen Osthofen berichtet, in dem nach Vereinsrecherchen mindestens 43 Bürstädter und Bobstädter ohne Gerichtsurteil einsaßen.
Die 25 Teilnehmer fanden die Veranstaltung sehr interessant und freuen sich nun auf den Nachholtermin der Fahrradtour im August. Bevor der Abend mit netten Gesprächen und leckerem Abendessen ausklang, informierte der Vereinsvorsitzende Michael Molitor über die neue Homepage des Vereins. Dort werden in Kürze die Bilder der Veranstaltung veröffentlicht werden. Die Homepage enthält bereits eine umfangreiche Zeittafel und Presseartikel und wird sukzessive erweitert.