Die St. Michaelskirche wurde durch Erweiterung vor 100 Jahren erneut geweiht.
Text und Fotos von Klaus Grinda
Die St. Michaelskirche wurde am 29. August 1926 nach einem größeren Umbau noch einmal geweiht. Diese katholische Kirche im alten Stadtkern Bürstadts bietet viele interessante Aspekte, wie der Verein für Heimatgeschichte erläuterte. Klaus Grinda geht davon aus, dass an Bürstadts neben dem Boxheimerhof höchstgelegenen Stelle schon sehr früh Vorgängerbauten in Form kleiner Kapellchen standen. Die Stelle wurde wegen den Rheinschlingen (Lachen) und damit der Hochwassergefahr bewusst hier gewählt.
In diesen Vorgängerbauten feierten schließlich sogar deutsche Könige und Kaiser mit hoher Wahrscheinlichkeit Gottesdienste. Der Königshof lag mit vermutlich in Richtung Briebel unmittelbar daneben. Womöglich liegen unter dem Querschiff noch Fundamente dieser Vorgängerbauten.
Ca. 1550 bis 1570 wurde auf der Fläche des heutigen Querschiffs (West-Ostrichtung) eine Kirche gebaut. Die unteren Stockwerke des heutigen Kirchturms gehörten dazu. Interessant ist, dass Bürstadt zu dieser Zeit durch die Zugehörigkeit zur Kurpfalz evangelisch war. Somit kann man salopp sagen, dass der Vorgängerbau, das Taufbecken und der untere Teil des Kirchturms eigentlich Teil einer evangelischen Kirche waren.
Bürstadt war seit 1623 durch die erneute Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Mainz wieder katholisch. 1732 wurde nun diese alte, baufällig gewordene Kirche abgerissen und durch einen neuen, größeren barocken Bau auf gleicher Stelle ersetzt. Fast 200 Jahre lang prägte sie nun das Bild der Gemeinde. Diese alte Kirche kann man heute als Querschiff noch gut erkennen.
1733 wurde das Schulhaus neben der Kirche St. Michael gebaut. Als Erbauer gilt Caspar Jonas. Dieses Haus wurde als zuerst als Bauernhaus gebaut und diente später als Lehrerwohnung. Am 16. September 1753 fand die Weihe der Barockkirche unter dem Mainzer Weihbischof Nebel und Pfarrer Joseph Thomas Loskandt statt. 1756 wurde der Turm von St. Michael auf dem alten gotischen aufgestockt. 1760 wurde das alte, heute noch existierende Pfarrhaus von St. Michael erbaut.
Mittlerweile wurde die in Ost-West Richtung liegende Kirche für die stetig wachsende Bürstädter Bevölkerung zu klein und musste baulich erweitert werden. Das „Keilmännsche Anwesen“ mit der Ölmühle (Fläche des heutigen Pfarrhauses und Gemeindezentrum und mehr) wurde bereits 1909 zur späteren Nutzung für den Umbau von der Gemeinde angekauft. Der Erste Weltkrieg verzögerte jedoch die Umbaupläne. Der tatsächliche Umbau geschah dann erst 1924 – 1926. Das Langschiff und der Chor wurden gebaut. Aus finanziellen Gründen blieb die alte Kirche stehen, die Außenwände dieser wurden aufgebrochen und in den Bau integriert. Hintergrund war auch die finanzielle Situation der Kirchengemeinde. Das angesparte Vermögen von ca. 200.000 RM wurde durch die Hyperinflation 1923 nahezu vollständig entwertet.
Bürstadt, Bobstadt und Riedrode wurde am 25. März 1945 von der amerikanischen Artillerie beschossen, viele Gebäude wurden beschädigt. Es gab große Beschädigungen u. a. an den Kirchen St. Michael und Gustav-Adolf-Kirche, Scheunen usw.
Letztendlich, so Grinda, stecken 3 Kirchen in einer. Das Langschiff und der Chor von 1924-26, das Querschiff von 1732 sowie der untere Teil des Kirchturms von 1550-1570, der darüber hinaus einen evangelischen Hintergrund hat. Wichtig zu wissen ist, dass bereits unter den Nachfahren Karls des Großen Vorgängerbauten existieren mussten, da bereits deutsche Könige und Kaiser in Bürstadt Gottesdienste feierten.





